Psoriasis bei Kindern und Jugendlichen

Eine Psoriasis bei Kindern und Jugendlichen stellt nicht nur für das erkrankte Kind, sondern auch für die gesamte Familie eine merkliche Belastung dar. Alle müssen Methoden entwickeln, mit der Erkrankung eines Familienmitglieds und den Auswirkungen der Schuppenflechte umzugehen. Die Auseinandersetzung mit der Krankheit, den Verfahren und den Therapeuten sollten bestenfalls so gestaltet sein, dass für alle Familienmitglieder ein Höchstmaß an Lebensqualität erreicht wird.

Eine wirkungsvolle Therapie ist das Ergebnis einer engen Kooperation zwischen Eltern, dem Erkrankten und dem behandelnden Arzt. Das ist insbesondere während es Übergangs vom Kind zum Jugendlichen und zum Erwachsenen nicht einfach. Junge Menschen mit Psoriasis sind nicht automatisch kleine Erwachsene.

Häufigkeit

Die Auswertung von Patientendaten einer deutschen Ersatzkasse (2009) kommt zu einer Häufigkeit der Psoriasis in der Altersgruppe bis 18 Jahre in Höhe von 0,7 Prozent. Ungefähr 30 Prozent aller Psoriasis-Patienten haben die ersten krankhaften Veränderungen an der Haut vor dem 20. Lebensjahr. Schon Säuglinge können Psoriasis entwickeln. Die Häufigkeit der Erkrankung steigt zwischen dem 2. und 18. Lebensjahr linear an. Häufig tritt Psoriasis während der Pubertät erstmalig auf.

Diagnose

Zusätzlich zu den "klassischen" erkrankten Körperstellen wie Ohren, Kopfhaut, Ellenbogen, Knie und Kreuzbeingegend erkranken Kinder häufig im Gesicht, im Windelbereich und betont an der Kopfhaut. Auch die Hand- und Fußflächen sind als "umgekehrte Psoriasis" (Psoriasis inversa) häufig beteiligt und dann schwer von den sehr viel häufigeren Ekzemen abzugrenzen. Die Veränderungen der Haut mit scharf begrenzten, geräteten und schuppenden Herden (Plaques) sind dabei denen im Erwachsenenalter ähnlich. Diese als "Psoriasis vulgaris" bezeichnete Form der Schuppenflechte ist mit 80 Prozent auch bei Kindern am häufigsten.

Typisch für Kinder und Jugendliche mit Psoriasis ist die Psoriasis guttata. Bei dieser Form treten ein bis zwei Wochen nach bakteriellen oder grippalen Infekten großflächig verteilt bis zu ein Zentimeter im Durchmesser große Plaques auf. Selten findet sich eine eitrige Form (Psoriasis pustulosa).

Kommt es zu einer Erkrankung der Nägel (Finger- und/oder Fußnägel), sollte auch beim Kind nach Entzündungen an Gelenken im Sinne einer Psoriasis der Gelenke (Psoriasis-Arthritis) untersucht werden. Eine Psoriasis-Arthritis führt zu Schwellung und Schmerzen vor allem an den großen Gelenken. Im Gegensatz zum Erwachsenen tritt bei Kindern die Psoriasis-Arthritis typischerweise vor der Erkrankung der Haut auf. In diesen Fällen ist die Diagnose schwierig. Die Phänomene sind anfangs kaum einer Schuppenflechte zu zurechnen. Klagen Kinder über schmerzende Gelenke oder haben gelegentliche Schwellungen an einzelnen Gelenken, sollte der Arzt auf eine Psoriasis-Arthritis angesprochen werden. Meist erkennt der Dermatologe sehr kleine Herde am behaarten Kopf. Eine Entzündung in der Gesäßfalte (Analfalte) kann auch solch ein Zeichen sein.

Die Diagnose Schuppenflechte wird oft eher zufällig bei Untersuchungen aus anderem Grund bei einem Haus- oder Kinderarzt gestellt. Eine Psoriasis bei Kindern wird leider auch leicht mit Pilzerkrankungen, Windeldermatitis oder anderen Entzündungskrankheiten der Haut verwechselt. Die Krankheiten sind optisch schwer zu unterscheiden. Manchmal wird eine Schuppenflechte auch als eine Neurodermitis (atopische Dermatitis) diagnostieziert, da diese Hautkrankheit im Kindesalter sehr häufig ist. Schuppenflechte und Neurodermitis sind aber zwei völlig verschiedene Erkrankungen und erfordern daher eine unterschiedliche Therapie und Betreuung der kranken Kinder.

Pflege und Ernährung

Die tägliche Pflege der Haut ist auch bei Kindern mit Schuppenflechte ganz wesentlich. Die Pflege dient nicht nur dazu, die Haut in einem guten, gepflegten Zustand zu halten, sondern führt das Kind auch zur intensiveren Auseinandersetzung mit seiner eigenen Haut. Bei der Pflege sind regelmäßiges Eincremen und Ölbäder wichtig. Kinder sollen dies ab dem Schulalter nach Anleitung selbst übernehmen.

Aktuell finden sich keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, dass eine spezielle Ernährung einen unmittelbaren Zusammenhang auf eine Psoriasis haben könnte. Eine spezifische Psoriasis-Diät gibt es nicht. Sollten aufgrund ärztlichen Rates bei Kindern eine bestimmte Ernährung durchgeführt werden, ist es wichtig, darauf zu achten, dass genügend Eiweiß und Vitamine in der Nahrung enthalten bleiben. Eine Mangelernährung, die andere Krankheiten verursachen könnte, sollte dabei dringend vermieden werden. Auch die Lebensqualität der Kinder sollte nicht beeinträchtigt werden. Ratschläge zur Ernährung geben Kinderärzte, Hautärzte und Ernährungswissenschaftler (Ökotrophologen).

Behandlung

Bei der Therapie müssen, noch mehr als bei Erwachsenen, die speziellen Lebensbedingungen des Kindes und seiner Eltern beachtet werden. Die Therapie muss die körperliche und geistige Entwicklung des Kindes berücksichtigen. Klinische Studien zur äußeren (lokalen) wie inneren (systemischen) Behandlung der kindlichen Psoriasis liegen nur sehr beschränkt vor. Zusätzlich sind viele Präparate für die Anwendung bei Kindern nicht zugelassen. Der Verlauf der Krankheit ist in der Regeln nicht gravierend. Das Ziel einer vollständigen Erscheinungsfreiheit steht nicht grundsätzlich im Vordergrund. Häufig kann ein vom Kind akzeptiertes Ergebnis mit einer ausschließlich äußerlichen, lokalen Behandlung erzielt werden.

Äußerliche Behandlung

Schuppen können mit Salben, z. B. mit feuchten Kompressen oder Salbenverbänden, entfernt werden. die fünf Prozent Milchsäure oder 10 Prozent Harnstoff enthalten. Vorsicht ist immer geboten bei der Anwendung von Salizylsäure zum Entfernen der Schuppen beim Kleinkind. Salizylsäure wird über die Oberfläche der Haut aufgenommen und kann systemische Wirkungen entfalten. Zusätzlich sinnvoll sind häufige Bäder, z. B. auch Sitzbäder mit Gerbstoffen als Zusatz. Als gut untersuchte Therapie gilt die äußerliche Behandlung mit Cremes, die Dithranol enthalten. Solche Präparate werden entweder als niedrigdosierte Zubereitungen über Nacht oder als höher dosierte nur für wenige Minuten (Minuten-Therapie) eingesetzt. Eine weitere Therapieoption sind Vitamin-D-Analoga in Cremes, deren Anwendung bei Kindern unter dermatologisch-pädiatrischer Aufsicht nebenwirkungsarm bleibt. Sollten mehr als 30 Prozent der Körperoberfläche behandelt werden, muss der Kalzium- und Phosphatstoffwechsel durch eine Blutuntersuchung kontrolliert werden.

Bei Kindern ist es besonders wichtig, zurückhaltend Kortison-Präparate anzuwenden. Wenn eine äußerliche Behandlung mit Kortison nach Verordnung des Arztes notwendig wird, sollte das verordnete Kortison-Präparat nur kurze Zeit angewendet werden. Kortison als Tablette oder Spritze wird bei Psoriasis nicht eingesetzt!

Die erkrankten Areale auf der Haut heilen häufig auch durch die Kombination von Salzwasser und Sonne ab. Ein Urlaub am Meer kann sinnvoll sein. Grundsätzlich dürfen Kinder jedoch keinen Sonnenbrand bekommen. Die Haut des Säuglings sollte nie der direkten Sonne ausgesetzt werden. Wasserfester Sonnenschutz mit einem Lichtschutzfaktor 20 oder besesr höher ist zu empfehlen. Die Sonne ist zwischen 11 und 15 Uhr zu meiden. außerdem sollten auch Kinder immer eine Sonnenbrille tragen.

Besondere Vorsicht muss bei der Verordnung und Durchführung von Lichtterapien mit UV-Licht walten. Das Risiko von akuten und chronischen Lichtschäden der Haut muss in medizinisch vertretbarren Grenzen bleiben.

Innere Behandlung

Bei schweren Verläufen werden auch beim Kind Tabletten oder Spritzen zur systemischen Behandlung der Psoriasis verordnet. Bei einer solchen Therapie ist eine sehr enge Zusammenarbeit zwischen Kinder- und Hautarzt erforderlich. Umfangreiche Erfahrung besteht zum Einsatz des Wirkstoffes Ciclosporin, der bei Kindern nach Organtransplantationen eingesetzt wird. Schuppenflechte ist eine überschießende Entzündungsreaktion der Haut mit nachfolgender, vermehrter Schuppenbildung. Der Wirkstoff unterdrückt diese Reaktion in der Haut. Allerdings ist bei einer chronischen Psoriasis meist eine längerfristige Therapie erforderlich. Angesichts des Spektrums unerwünschter Wirkungen von Ciclosporin kann das Probleme bereiten. Rheumatologen behandeln Kinder mit einer Psoriasis-Arthritis gerne mit dem Wirkstoff Methotrexat, der bei regelmäßiger Kontrolle meist gut toleriert wird.

Fumarate sind als ein Wirkstoffgemisch erst ab dem 18. Lebensjahr zugelassen. Sie können im Einzelfall unter kritischer Abwägung von Vor- und Nachteilen eingesetzt werden. Bei Versagen der genannten (klassischen) Therapie darf das Biologikum mit dem Wirkstoff Etanercept ab dem achten Lebensjahr eingesetzt werden. Weitere Biologika sind für die Therapie der "juvenilen idiopathischen Arthritis" zugelassen, zu der die kindliche Psoriasis-Arthritis gezählt wird.

www.psoriasis-bund.de
mehr Informationen zur Schuppenflechte

Deutscher Psoriasis Bund e.V.
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20459 Hamburg

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